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CDU löst FWG an der Spitze ab
Breitscheid (ml). Die CDU hat Breitscheids Freie Wähler, die ohnehin nur mit einem hauchdünnen Vorsprung von 39 Stimmen (0,1 Prozent) vor fünf Jahren die Spitze erobert hatten, am Sonntag in der Gunst der Breitscheider abgelöst und sogar einen Sitz dazugewonnen.
Auf die Christdemokraten entfielen nun 42,1 Prozent der Stimmen, wobei sie in Erdbach und Gusternhain die absolute Mehrheit erzielten, während sie in Rabenscheid und Medenbach Prozente einbüßten und noch hinter den Sozialdemokraten ins Ziel gingen. Mit dem Sitz, den sie den Freien Wählern abnahmen, verfügen die Christdemokraten nun über zehn Stimmen im Parlament.
Der FWG-Anteil sank um über fünf von 39,3 auf 34 Prozent, was den Freien Wählern nur noch acht Sitze einbrachte. Die Sozialdemokraten erreichten bei einem Plus von 2,3 Prozent nun 23, 9 und stabilisierten sich auf relativ niedrigem Niveau. Bei ihnen blieb es trotz des Stimmenzugewinns bei fünf Sitzen im Parlament. Wenn man bedenkt, dass der Grünen-Anteil bei den Kreisstimmen bei 6,3 Prozent (gegenüber 1,4 vor fünf Jahren) lag, hätten sie diesmal vielleicht auch in der Westerwaldgemeinde was reißen können, wenn sie angetreten wären.
CDU-Spitzenkandidat Alexander Beer ist dankbar für das Vertrauen der Wähler und zuversichtlich, dies rechtfertigen zu können. Angesichts der Tatsache, dass in der Vergangenheit alle Fraktionen die wesentlichen Beschlüsse gemeinsam getragen hätten, hofft er auf weiterhin gute Zusammenarbeit. Er setzt weiter auf "wertkonservative Politik" und ist sich sicher, dafür auch Verbündete zu finden.
Alle Breitscheider Fraktionen setzen auch weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit
"Nachdem wir 20 Jahre immer die Nase vorn hatten, lag diesmal die CDU deutlich vor uns. Damit hatten wir nicht gerechnet, aber das erkennen wir neidlos an; der Wähler hat so entschieden", sagt FWG-Spitzenkandidat Ottmar Horn, der auch in Zukunft auf die gemeinsame Arbeit aller Fraktionen setzt: "Das hat Tradition und soll so bleiben."
SPD-Spitzenkandidat Daniel Leisegang setzt wie seine Kollegen auf eine Fortsetzung der bislang guten Zusammenarbeit, räumt aber ein, dass die SPD gerne die Stärke von 2001 und damit einen Sitz mehr im Parlament erreicht hätte.
„Vereine geben Heimat"
Dr. Rolf Müller sprach in Breitscheid über das Thema Ehrenamt
Breitscheid (mig/s). „Das Ehrenamt ist kein Auslaufmodell, es ist ein notwendiges Zukunftsmodell" - das ist zumindest die Ansicht von Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen. Beim Frühjahrsempfang der CDU Breitscheid Ist Müller am Sonntagnachmittag der Frage „Hat das Ehrenamt eine Zukunft?" nachgegangen.
Traditionell laden die Breitscheider Christdemokraten zu ihrem Frühjahrsempfang nicht nur Parteimitglieder, sondern auch Vertreter von Vereinen und Verbänden der Großgemeinde ein. Da es in Breitscheid viele Menschen gebe, die sich ehrenamtlich engagieren würden, habe man dieses Treffen dem Ehrenamt und der Frage nach dessen Zukunft gewidmet, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Beer.
Mit Rolf Müller hatten die Breitscheider einen kompetenten Redner zu diesem Thema gewinnen können. Denn der Gast aus Gelnhausen ist Präsident des Landessportbundes, war viele Jahre lang ehrenamtlicher Kommunalpolitiker und engagiert sich seit mehr als 40 Jahren im „Schwimmverein Gelnhausen" (Main-Kinzig-Kreis), dessen Vorsitzender er heute ist. In der Diskussion um die Zukunftsfähigkeit des Ehrenamtes sah Müller nicht in erster Linie eine Krise des Ehrenamtes, sondern eine Krise der Wertschätzung. Erst durch den Einsatz für andere werde die Gesellschaft „lebens- und liebenswert, warm und herzlich".
Eine Alternative dazu wäre nur, wenn der Staat alles regle und organisiere. Eine solche Alternative bezeichnete der Gast als „grausam", denn der Staat reguliere schon sehr viel - wäre es noch mehr, sieht Müller die freiheitlich-demokratische Ausrichtung in Gefahr.
Vereine, die es schon seit 100 oder 150 Jahren gebe, konstatierte der Redner, hätten sich dem gesellschaftlichen Wandel angepasst. Sie seien für ihre Mitglieder attraktiv geblieben, ohne die eigenen Traditionen zu vergessen.
Gerade in einer Zeit, in der aus Individualismus und Egoismus heraus immer mehr Bindungen zerbrechen und Menschen vereinsamen würden, gebe ein „Verein Heimat und Geborgenheit", befand Müller. Denn hier seien Menschen, die nicht nur ein Hobby teilen, sondern vielmehr eine Gemeinschaft. Dies sei „der soziale Kitt der Gesellschaft", so Müller.
Er plädierte dafür, Vorbild durch Vorleben zu sein und auch zu zeigen, dass das Ehrenamt keine Last sei. „Mir macht mein Ehrenamt Spaß", betonte der Vorsitzende des „Schwimmvereins Gelnhausen".
Neben der gesellschaftlichen und sozialen Bedeutung habe das Ehrenamt auch eine materielle Relevanz: Laut einer Statistik habe das freiwillige Engagement einen jährlichen Wert von 17 Milliarden Euro in Deutschland, berichtete Müller.
Der Einsatz für die Gesellschaft ist nicht selbstverständlich
Er rief dazu auf, all denjenigen, die sich unentgeltlich und freiwillig in den verschiedensten Bereichen einbringen, auch Wertschätzung zu zeigen und Danke zu sagen. Denn der Einsatz für die Gesellschaft sei nicht selbstverständlich. Für Vereine sah Müller gerade wegen der Vereinsamung der Menschen eine große Chance. Er erinnerte daran, dass es in den angelsächsischen Ländern zum positiven Profil eines Menschen zähle, sich ehrenamtlich zu engagieren. Für dieses Engagement dankt Müller den Breitscheidern: „Es ist schön hier".
Quelle: Herborner Tageblatt 01.04.08